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Berichte
2,2 Mio. Paar Outdoor- und Freizeitschuhe für die ganze Welt: Beeindruckender Blick hinter die Kulissen von LOWA

Pfaffenhofen / Jetzendorf (mh) „Simply more ...“ Treffender als mit dem Claim der Jetzendorfer LOWA Sportschuhe GmbH selbst könnte die Betriebsbesichtigung von ProWirtschaft Pfaffenhofen am 3. Juli 2014 nicht umschrieben werden. Die rund 25 Teilnehmer erhielten weit mehr als die üblichen Standardinformationen über den führenden Hersteller von Outdoor- und Freizeitschuhen. Werner Riethmann, Geschäftsführer und Mitinhaber, plauderte im Kreis der Vertreter der heimischen Wirtschaft munter aus dem „Nähkästchen“ seines Unternehmens und der Branche. Der LOWA-Chef selbst sowie die Leidenschaft und der hohe Qualitätsanspruch, mit denen bei LOWA Schuhe produziert werden, machten tiefen Eindruck auf die Besucher.



Die Betriebsbesichtigung bei LOWA war auf Vermittlung von ProWirtschaft-Vorstandsmitglied Martin Bornemann zu Stande gekommen. Er bedankte sich in kurzen einführenden Worten herzlich dafür, dass mit LOWA ein weiteres bedeutendes Unternehmen im Landkreis Pfaffenhofen seine Tore für das Netzwerk geöffnet hat. Im Showroom wurden die ProWirtschaft-Vertreter mit ihrem 2. Vorsitzenden Dieter Andre an der Spitze von Firmenchef Werner Riethmann empfangen, der den traditionsreichen Schuhhersteller mittlerweile seit fast 23 Jahren führt. „Jetzt gehöre ich schon zum lebenden Inventar“, so Riethmann. Noch heute kann er aber – wie er selbst mit einem Schmunzeln hinzufügte – seine Schweizer Herkunft nicht verleugnen. Werner Riethmann hält 20 % des Unternehmens, dessen Mehrheitseigner seit 1993 die italienische Tecnica Group (60 %) ist.

Der Firmenchef und sein Key Account Manager Markus Strefling stellten das traditionsreiche Unternehmen gemeinsam vor. Von Lorenz Wagner im Jahre 1923 gegründet – im vergangenen Jahr konnte also 90-jähriges Jubiläum gefeiert werden –, fertigt LOWA heute eine große Palette an Outdoor-, Freizeit- und Spezialschuhen für Erwachsene und Kinder: Insgesamt rund 2 Mio. Paar pro Jahr, wobei Firmenchef Werner Riethmann heuer mit einer weiteren Steigerung auf 2,1 bis 2,2 Mio. Paar rechnet. Das Jetzendorfer Unternehmen ist in seinem Segment Marktführer in den deutschsprachigen Ländern und in den Benelux-Staaten. Der bereinigte Umsatz beläuft sich auf rund 155 Millionen Euro im Jahr. Und ganz aktuell konnte Riethmann über den „größten Militärschuhauftrag in der Firmengeschichte“ berichten.

LOWA produziert ausschließlich in Europa und bekennt sich auch weiterhin zu seinem Standort in Deutschland. Am Jetzendorfer Unternehmenssitz mit seinen rund 250 Mitarbeitern werden nach wie vor rund 350.000 Paar Schuhe pro Jahr gefertigt. Außerdem sind hier Design/Kreation, Entwicklung, Marketing, Qualitäts-/Materialkontrolle und auch der weltweite Vertrieb angesiedelt. Das bedeutet: Jedes Paar Schuhe, das LOWA produziert und verkauft, durchläuft das Jetzendorfer Lager und die zentrale Logistik. Die beiden anderen Produktionswerke stehen in der Slowakei – dort wird mit 1,5 Mio. Paar der Großteil produziert – und Italien. Die Oberteile (Schäfte) werden von drei weiteren Fabriken in Kroatien und Bosnien zugeliefert.

LOWA verbindet Tradition, Erfahrung, modernes Know-how, hohen Qualitätsanspruch und Leidenschaft für die Schuhherstellung. Daraus erklärt sich auch die Innovationsstärke des Jetzendorfer Unternehmens. Markus Strefling wies darauf hin, dass LOWA über die Jahrzehnte bei Neu- und Weiterentwicklungen stets „ganz vorne mit dabei“ war: zum Beispiel 1967 mit dem ersten Kunststoff-Skischuh (eine Revolution im Skisport), 1986 mit der frühzeitigen Verwendung des neuen Gore-Tex-Materials oder 1996 mit der Markteinführung des Leichtwanderschuhs Renegade. So hat es LOWA geschafft, sich als Premiummarke zu etablieren und kräftig zu wachsen. 1993, im Jahr des Einstiegs von Tecnica, wurden rund 350.000 Paar Schuhe von LOWA produziert, heute sind es sechs Mal so viele.

Auch die künftige Strategie bei LOWA ist darauf ausgerichtet, den hervorragenden Ruf zu verteidigen und die Marktposition noch weiter auszubauen. Dabei will die Unternehmensführung nichts dem Zufall überlassen: von der Produktqualität bis zu den regelmäßigen Händlerschulungen. Markus Strefling: „Es darf nicht sein, dass der Händler weniger weiß als der Endverbraucher, der heute durch das Internet sehr gut informiert ist.“ Ganz wichtig sei es außerdem, einen Schuh „zu riechen, zu fühlen und zu sehen“ – und die Leidenschaft zu spüren, die bei LOWA in der Produktion steckt.

Aufgeteilt in drei kleine Gruppen wurde die Betriebsbesichtigung während laufender Produktion durchgeführt. Key Account Manager Markus Strefling, der Technische Leiter Christian Ludy und Thomas Nakel (Handelsmarketing) führten die Gäste von ProWirtschaft durch die Fabrik. Bei der Führung wurde deutlich, dass die Schuhherstellung ein überaus komplexes Werk ist und in jedem Schuhmodell eine Menge Know-how steckt. Zentrale Bedeutung haben dabei die Qualität der verwendeten Materialien und die perfekte Passform, die nur im Zusammenspiel von vielen Details entsteht.

Die Besucher erfuhren außerdem, dass ...

... LOWA ausschließlich Rindsleder für seine Schuhe verwendet;
... böse E-Mails an das Unternehmen, weil so viele Rinder für LOWA Schuhe das Leben lassen müssen, völlig unbegründet sind (Christian Ludy: „Keine Kuh wird wegen dem Leder geschlachtet, sondern immer nur wegen ihrem Fleisch“);
... dass eine Kuhhaut zwischen 5 und 6 Quadratmeter misst und pro Paar Berg-/Wanderschuhe der Größe 42 ca. 0,4 Quadratmeter Leder zur Herstellung benötigt werden;
... dass bis zu 65 Meter Nähfaden in einem einzigen Schuh verarbeitet werden;
... dass alle verwendeten Materialien – egal in welchem Werk die Fertigung erfolgt – die Qualitätskontrolle in Jetzendorf durchlaufen müssen.

Das Fazit der Betriebsbesichtigung: Die Schuhherstellung ist eine kleine Wissenschaft und eine große logistische Herausforderung. An diese Erkenntnis wurde auch beim „Abschlussmeeting“ im Showroom angeknüpft, bei dem sich LOWA-Chef Werner Riethmann noch einmal Zeit für die Besucher von ProWirtschaft nahm. Auf eine entsprechende Frage hin bestätigten die LOWA-Verantwortlichen, dass ein Schuh natürlich nicht jeden Tag neu erfunden werden kann. Verbesserungspotenzial gebe es aber immer, vor allem bei den Materialien und beim Komfort (immer leichtere Schuhe, immer bessere Schnürung etc.).

Werner Riethmann verriet unter anderem, dass ihm seine Aufgabe nach wie vor große Freude bereitet. Auch wenn LOWA in einer überaus schwierigen Branche tätig ist: „Die Textil- und Schuhindustrie war schon frühzeitig gezwungen, ins Ausland zu gehen, um konkurrenzfähig zu bleiben.“ Mit einem klaren „Nein“ beantwortete Riethmann in diesem Zusammenhang die Frage, ob er Chancen sehe, aufgrund von Lohnsteigerungen auch in anderen Ländern irgendwann wieder ganz in Deutschland zu produzieren. „Die Produktion in Jetzendorf ist ein reiner Luxus, im Mix mit den anderen Werken geht es aber“, erklärte der LOWA-Chef. Im gleichen Atemzug gab er ein klares Bekenntnis zu Europa, zu Deutschland und zum Standort Jetzendorf ab, wo in allen Abteilungen sehr produktiv und kosteneffizient gearbeitet werde.

LOWA werde jedenfalls nicht dem Beispiel der Branchenriesen folgen, die längst nur noch in Asien produzieren und als moderne Wirtschaftsnomaden von einem Land zum anderen wandern. Immer auf der Jagd nach dem billigsten Lohn und den geringsten Produktionskosten und ohne die geringsten Skrupel, eine Fabrik mit 5000 Leuten von heute auf morgen zu schließen und woanders neu aufzumachen. „Irgendwann werden sie in Afrika sein ...“, prophezeite Werner Riethmann.

Eine Unternehmenspolitik, die mit der Philosophie von LOWA nicht vereinbar wäre. LOWA steht für „Tradition und Qualität“, gerade darin liegt das Erfolgsgeheimnis des Jetzendorfer Schuhherstellers. Riethmann ist trotz des Erfolgs kein Freund großer Sprüche: „Das Produkt soll überzeugen.“ Und der Kunde sagen: „einmal LOWA, immer LOWA!“ Der Jetzendorfer Unternehmenschef geht auch nicht mit seinem sozialen Engagement „hausieren“, sondern tut aus Überzeugung und im Stillen Gutes: „Wenn LOWA im Himalaya eine Schule für 70.000 Euro baut, müssen wir das nicht werbewirksam ausnützen.“

LOWA steht wirtschaftlich gut da. Es wurde unter der Führung von Werner Riethmann viel in die Marke und ihr Image investiert und das hat sich ausgezahlt. Der entscheidende Faktor aber ist natürlich die hohe Produktqualität, die laut dem Technischen Leiter Christian Ludy auch von den ausländischen Werken/Partnern garantiert ist. Dort würden die gleichen strengen Qualitätsstandards umgesetzt und ständig kontrolliert wie in der Jetzendorfer Fabrik. LOWA gibt dabei nicht nur sein Know-how weiter, sondern stellt auch den Maschinenpark zur Verfügung. Alles in allem ist LOWA laut Chef Werner Riethmann derzeit in der glücklichen Lage, seine Schuhe etwas teurer verkaufen zu können als viele Konkurrenten. Und er sieht auch noch etwas Wachstumspotenzial mit der aktuellen Unternehmensstruktur bis maximal 2,7 oder 2,8 Mio. Paar Schuhe pro Jahr.

Die Teilnehmer am ProWirtschaft-Besuch werden ihren Teil sicher dazu beitragen. Am Ende eines beeindruckenden Blicks hinter die Kulissen verließen nämlich jene, die noch kein Paar Schuhe der renommierten Jetzendorfer Marke zu Hause stehen haben, das Firmengelände fast mit einem schlechten Gewissen. Und alle waren sich einig: „Mein nächster Outdoor- oder Freizeitschuh wird auf jeden Fall von LOWA sein.“