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Berichte
„Verantwortungsvolles Handeln erzeugt nachhaltigen Erfolg“: Dr. Peter F. Tropschuh von der AUID AG vor 130 Zuhörern

Pfaffenhofen (mh) Die Zukunftsfähigkeit ist in der heutigen Zeit mit das wichtigste Kriterium bei Bewertungen und Rankings von Unternehmen. Themen wie Corporate Responsibility und Nachhaltigkeit gewinnen deshalb immer mehr an Bedeutung und bei Audi nehmen sie einen besonders hohen Stellenwert ein. Was das für die Geschäftspolitik des Automobilbauers konkret bedeutet, erläuterte Dr. Peter F. Tropschuh von der AUDI AG jetzt in seinem Vortrag bei ProWirtschaft Pfaffenhofen. „Verantwortungsvolles Handeln erzeugt nachhaltigen Erfolg“ – und der Erfolg müsse für ein Wirtschaftsunternehmen nun einmal an erster Stelle stehen: Das war die zentrale und unmissverständliche Botschaft des Referenten vor rund 130 Zuhörern.

Die Sparkasse Pfaffenhofen, Alleinsponsor der zentralen Veranstaltung von ProWirtschaft in diesem Jahr, hatte ihr Casino für das Unternehmernetzwerk geöffnet. Dafür bedankte sich Vorsitzender Franz Böhm in seinen einführenden Worten besonders beim „Hausherrn“ Sparkassen-Chef Norbert Lienhardt. Dr. Peter F. Tropschuh, so Böhm, reihe sich heuer in die Phalanx der Topreferenten ein, die ProWirtschaft nun schon im vierten Jahr hintereinander verpflichtet habe. „Das Gute liegt oft so nah“, spielte er auf den Geburts-, Wohn- und Arbeitsort des Referenten in Ingolstadt an.

ProWirtschaft-Vorstandsmitglied Martin Bornemann, dem das „Gastspiel“ aufgrund seiner Beziehungen zu Audi und zu Dr. Tropschuh zu verdanken war (Böhm: „Das ist Netzwerken ...“), stellte den 56-Jährigen kurz vor. Die eindrucksvolle Vita des „Audianers“ begann mit einem Maschinenbau-Studium (Schwerpunkt Konstruktion und Entwicklung) ab 1977 und der Promotion an der TU München (1988). Anschließend arbeitete er bei Audi, ab 2006 bei der Volkswagen AG und seit 2011 wieder bei der AUDI AG. Dort hat er heute dreifach leitende Funktion als Hauptverantwortlicher für die Bereiche Corporate Responsibility, Politik und Wissenschaftskooperationen. Außerdem bekleidet er eine Reihe von Ehrenämtern und hat an der TU München einen Lehrauftrag im Bereich Fahrzeugtechnik inne.

Anschließend leitete Martin Bornemann zum Thema des Abends über: „Nachhaltigkeit als Zukunftsfaktor. Corporate Responsibility – ein Instrument der Unternehmensstrategie bei der AUDI AG“. Seine These: „Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit sind nicht der K.o. für unser Wirtschaftsmodell, sondern es sind Bausteine, wenn nicht sogar die zentralen Bausteine für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.“

Bevor Dr. Peter F. Tropschuh hier unmittelbar anknüpfte, meinte der 56-Jährige bescheiden, es widerfahre ihm hier fast zu viel der Ehre. Und er sei auch „ein bisschen erschrocken“, als er gesehen habe, wer seine Vorgänger als Redner bei ProWirtschaft waren: 2011 Erik Händeler, 2012 Dr. Dr. Franz Josef Radermacher und dann 2013 ein Mann wie Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, der in diesem Jahr in die Liste der 100 wichtigsten Vordenker der Welt aufgenommen worden sei und mit dem er sich nicht auf eine Stufe stellen wolle. Trotzdem sei er natürlich gerne zu ProWirtschaft nach Pfaffenhofen gekommen. Und es war ja auch fast ein „Heimspiel“ für Dr. Tropschuh, denn viele seiner Zuhörer kannte er mit Namen. Überhaupt suchte er im Verlauf des Vortrags immer wieder den direkten Gesprächskontakt mit dem Publikum, womit er die geballte Information unterhaltsam aufzulockern verstand.

Er startete mit ein paar eindrucksvollen Kennzahlen zu Audi (Stand 2013): über 1,6 Millionen Fahrzeug Jahresproduktion, 75.000 Beschäftigte weltweit (über die Hälfte davon davon in Ingolstadt), 49,8 Mrd. Euro Umsatz bei einem Ergebnis von 5,03 Mrd. Euro. Es folgte eine Begriffserklärung bzw. -abgrenzung. Bei Audi spreche man von CR (Corporate Responsibility) und unterschlage von der ebenfalls gängigen Abkürzung CSR bewusst das S (= Social), weil es immer wieder falsch übersetzt werde – so wie auch von einem der Anwesenden auf Nachfrage von Dr. Tropschuh: Social bedeutet nämlich in diesem Kontext nicht sozial, sondern gesellschaftlich.

Corporate Responsibility, die unternehmerische Verantwortung, und Nachhaltigkeit, die wirtschaftliche und produktionstechnische Vermeidung von Schäden für Mensch und Umwelt, seien eng miteinander verbunden: „Verantwortungsvolles Handeln im Unternehmen erzeugt Nachhaltigkeit mit ihren drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales.“ Nachhaltigkeit sei aber oft auch nur ein Modethema und viele Unternehmen betrieben lediglich „Greenwashing“. Diese Aussage veranschaulichte der Referent mit einem kleinen Ausflug in Werbung und Marketing, wo das Thema Nachhaltigkeit teils seltsame Blüten treibt.

Die Strategie von Audi sei hier eine andere: „Corporate Responsibility ist keine Zusatzaufgabe – sie ist vielmehr eine Philosophie, die das Denken und Handeln aller Bereiche und aller Ebenen des Unternehmens bestimmt.“ Nur dann könne sie auch glaubwürdig vermittelt werden. Die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens spiele bei den Analysteneinschätzungen und damit auch in der Gunst der Anleger eine immer wichtigere Rolle. Dr. Tropschuh: „Damit steigt die finanzielle Bedeutung der Nachhaltigkeit für die Unternehmen.“ Vor diesem Hintergrund freute sich der Referent besonders, dass Audi heuer beim Sustainability Image Score (SIS) von Facit Research erstmals den 1. Platz als nachhaltigstes Unternehmen belegt hat – vor BMW und dem Pfaffenhofener Babynahrungshersteller Hipp.

„Nachhaltigkeit hat immer mehr Gewicht für Image und Reputation eines Unternehmens oder einer Marke“, stellte der 56-Jährige fest. Sie sei heute bereits der drittwichtigste Faktor dafür und in der Automobilbranche hingen Untersuchungen zufolge mittlerweile gut 7 % des Umsatzes davon ab – Tendenz weiter steigend. Als Treiber für diese Entwicklung sieht er z. B. den demografischen Wandel, die Ressourcenverknappung, Umweltschutz und Klimawandel (verbunden mit verschärften Vorschriften und Gesetzen), den Wandel der Arbeitswelt, Urbanisierung, Digitalisierung und Globalisierung. Und von den Verbrauchern würden verstärkt Transparenz, Ehrlichkeit und Verantwortung gefordert.

„Die Investition in eine intakte Umwelt sowie in ein stabiles politisches und soziales Umfeld dient der langfristigen Sicherung der eigenen Geschäftsgrundlage“: So lautete das „Zwischenfazit“ von Dr. Tropschuh, mit dem er zum zweiten Teil seines Vortrags überleitete: die Corporate Responsibility Strategie 2020 der AUDI AG unter dem Leitsatz „Wir leben Verantwortung – bei jeder Entscheidung“ unter den Gesichtspunkten Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft /Soziales. „Wir stehen vor der Frage“, so Dr. Tropschuh, „wie unser Geschäftsmodell in den nächsten 10, 20 und 30 Jahren aussieht.“ Die Corporate Responsibility von Audi sei dabei in fünf Kernthemen gegliedert: Produkt, Umwelt, Mitarbeiter, Wirtschaften und Gesellschaft.

„Ein sauberes Produkt aus einer sauberen Fabrik“, brachte der Referent die Zukunftsaufgabe auf einen kurzen Nenner. Ein ganz wichtiges Kriterium sei dabei die Effizienzsteigerung: „Niedriger Verbrauch bei hoher Leistung, damit der Fahrspaß erhalten bleibt“. Darauf sei die Produktentwicklung von Audi ausgerichtet. Als Beispiele nannte der 56-Jährige unter anderem Entwicklung und Einsatz von Effizienztechnologien, Audi e-fuels (Entwicklung synthetisch hergestellter Kraftstoffe), Leichtbautechnologie (weniger Gewicht = weniger Kraftstoffverbrauch) und die Elektro- und Gas-betriebenen Fahrzeuge von Audi.

An erster Stelle nannte Dr. Tropschuh hier den Audi e-tron. Von den Elektrofahrzeugen erwartet sich der „Audianer“ einen maßgeblichen Beitrag bei der Erreichung eines ehrgeizigen Ziels, dem man sich im Volkswagen-Konzern verschrieben habe: die Reduzierung des CO2-Ausstoßes auf 95 Gramm pro Kilometer für die gesamte europäische Neuwagenflotte bis zum Jahr 2020. Aktuell liege man hier bei 129 Gramm. Mit dem A3 Sportback g-tron habe Audi außerdem das erste Erdgas-Serienfahrzeug im Programm. In diesem Zusammenhang wies der Referent auch auf das erfolgreiche e-Gas-Pilotprojekt von Audi zur Herstellung eines Erdgas-Ersatzes aus erneuerbaren Energien. Dr. Tropschuh: „Wir wollen kein Energieanbieter werden, aber wir haben bewiesen, dass es funktioniert.“ Als wichtigste Beispiele für das Engagement des Ingolstädter Automobilbauers mit den vier Ringen im Umweltschutz nannte der Referent die Green IT (Senkung des CO2-Ausstoßes um 9000 Tonnen pro Jahr) und die neue Lackiererei Hungaria (50 % weniger Energieverbrauch). Wassermanagement, nachhaltige Logistik, regenerative Energien und die Audi Stiftung für Umwelt waren weitere Stichworte dazu.

Die Sorge um und die Verantwortung für die Mitarbeiter ist ein weiterer Baustein in der Corporate-Responsibility-Strategie von Audi. Aus gutem Grund, wie Dr. Tropschuh feststellte: „Die Mitarbeiter sind das wertvollste Kapital unseres Unternehmens“. Dieser Erkenntnis trägt man bei Audi unter anderem mit einem Gesundheitsmanagement, flexibler Kinderbetreuung, Integrationsmanagement, flexiblen Arbeitszeiten oder Ideenmanagement Rechnung. Bleiben als die beiden letzten Schwerpunkt eine Wirtschaftsweise, die nachhaltige Werte schafft (Stichworte hierzu: Stakeholderdialoge, Kundenorientierung, Investor Relations, Risikomanagement, Mitbestimmung) sowie Übernahme von Verantwortung für die Gesellschaft durch Engagement (z. B. Audi Urban Future Initiative, Unternehmensspenden, Standortmanagement, Wissenschaftskooperationen und Audi ArtExperience).

Zum Schluss wies Dr. Peter F. Tropschuh noch auf den offenen Dialog des Unternehmens mit den Stakeholdern und den öffentlich zugänglichen Audi CR-Report hin. Damit praktiziere das Unternehmen Transparenz und trete den Beweis an, „dass wir kein Greenwashing betreiben“. An erster Stelle müsse aber für ein Wirtschaftsunternehmen wie Audi – das sagte der 56 Jährige ganz offen – der wirtschaftliche Erfolg stehen: „Nachhaltig und pleite ist nicht unser Geschäftsmodell ...“ Corporate Responsibility sei ein wichtiges Instrument, um Erfolg zu haben und ihn langfristig zu sichern. „Verantwortungsvolles Handeln erzeugt nachhaltigen Erfolg“, lautete somit das Schlusscredo des Referenten.

Einige Aspekte des Vortrags wurden in der anschließenden Diskussion noch einmal vertieft. Dieter Andre, der stellvertretende Vorsitzende und „Nachhaltigkeits-Vordenker“ von ProWirtschaft, machte dabei kein Geheimnis aus seiner kritischen Einstellung gegenüber einer Wirtschaft, die weiter in erster Linie auf Wachstum und hier auf die Emerging Markets setzt. So wie es Deutschland als DER Autobauer auf der Welt offensichtlich tue – mit der Folge, dass trotz höherer Effizienz unter dem Strich der Energieverbrauch durch die erhöhte Produktivität weiter steige. Er warf deshalb die Frage auf, ob das „Zukunftsmodell Nachhaltigkeit“ so aussehen könne.

Dr. Tropschuh antwortete mit einer Gegenfrage: „Sollen wir entscheiden, dass die Chinesen und Inder kein Auto brauchen?“ Mobilität sei schließlich ein Grundbedürfnis und die Menschen dort hätten das gleiche Recht wie wir Deutsche. Genauso wenig könne man den Automobilherstellern verbieten, dort gute Geschäfte zu machen. Wichtig sei, dafür zu sorgen, möglichst saubere Fahrzeuge in diesem Markt zu verkaufen. Dieter Andre hakte noch einmal nach: Aus Sicht der Automobilhersteller verstehe er diese Argumente vollkommen. Tatsache sei aber auch, „dass wir nicht alle Inder und Chinesen mit Autos versorgen können“ – allein schon der Umweltbelastung wegen – und dass der Boom in den Schwellenländern nicht ewig anhalten werde. Wie bereite sich Audi deshalb auf mögliche Einbrüche in diesem Markt vor?

Der Referent entgegnete, der Anteil der Autos an der Umweltbelastung werde in der Regel weit überschätzt: „Nur 11,2 % der CO2-Belastung kommen von den Automobilen.“ Die Masse der Schadstoffe in China werde dagegen aus Hauskaminen sowie schmutzigen Industrien und Kraftwerken in die Atmosphäre geblasen. Audi rüste sich für die künftigen Herausforderungen nicht nur auf dem asiatischen Markt mit modernsten Technologien. Dabei geht Dr. Tropschuh davon aus, dass sich die Elektromobilität in China viel schneller verbreiten als bei uns.

Die Diskussion habe gezeigt, wie schwierig die ganze Thematik und wie ungewiss das Wirtschaftssystem der Zukunft heute sei, meinte ProWirtschaft-Vorstandsmitglied Martin Bornemann in seinem Schlusswort. „Der Abend hat Chancen aber auch das Dilemma der aktuellen Situation aufgezeigt ...“ Sein herzlicher Dank – begleitet von kräftigem Applaus – galt natürlich dem Referenten Dr. Peter F. Tropschuh für die interessanten Einblicke, die er seinen Zuhörern gewährt hatte. Von Lionsclub-Mitglied zu Lionsclub-Mitglied überreichte ihm ProWirtschaft-Chef Franz Böhm dann noch einen Lions-Adventskalender. Ein überaus passendes kleines Geschenk an diesem Abend, denn auch mit seiner Adventskalender-Aktion praktiziert der Lions-Club Pfaffenhofen/Hallertau ein Stück Nachhaltigkeit.