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Frei machen von Profit- und Vorteilsdenken

ProWirtschaft propagiert beim ersten Diskussionsabend eine nachhaltige Form der Zusammenarbeit

Pfaffenhofen (mh) Wer sich in der Zusammenarbeit mit anderen frei macht von Profit- bzw. Vorteilsdenken und wer bereit ist, über seinen bisherigen Horizont hinauszudenken, der wird für die Zukunft in einer sich verändernden Gesellschaft und Arbeitswelt am besten gerüstet sein. Bei der ersten Zukunftsdiskussion von ProWirtschaft wurde diese Erkenntnis als ein wesentliches Element einer nachhaltigen Entwicklung herausgearbeitet. Und gerade auf diesem Gebiet möchte die Organisation Vorreiter sein und ihren Mitgliedern, aber auch anderen Interessenten in ihrem Netzwerk eine Plattform zur Zusammenarbeit bieten.

Ein reger Meinungsaustausch entwickelte sich bei der ersten Zukunftsdiskussion von ProWirtschaft.

Bei seinem Vortrag vor gut zwei Wochen hatte der Zukunftsforscher Erik Händeler ProWirtschaft die These für den ersten Diskussionsabend mitgegeben und sie war noch einmal für alle sichtbar angeschrieben: „Der einzige entscheidende Wettbewerbsunterschied, wodurch sich in Zukunft Regionen noch unterscheiden werden, ist die Fähigkeit der Menschen vor Ort, zusammenzuarbeiten.“ 15 Teilnehmer waren ins Hotel Müllerbräu gekommen, womit man überaus zufrieden war. „Wir hätten auch mit fünf begonnen“, meinte ProWirtschaft-Vorsitzender Franz Böhm.

Ideen nicht in Vergessenheit geraten lassen

Natürlich hoffen er und seine Vorstandskollegen aber, dass die Initiative in Zukunft weitere Kreise zieht – denn das Anliegen ist hoch aktuell und die Diskussionsabende sollen zu einer festen Einrichtung werden. In diesem Zusammenhang freute sich der stellvertretende Vorsitzende und Moderator des Abends, Dieter Andre, über den großen Zuspruch, den die Netzwerkbildung von ProWirtschaft seit der Neuausrichtung zu Jahresbeginn bereits erfahren hat. Man wolle besonders zur Bildung für nachhaltige Entwicklung beitragen und mit Vorträgen renommierter Referenten Denkanstöße geben. „Damit die Ideen danach aber nicht einfach wieder in Vergessenheit geraten“, so Andre, werde man sie bei den Diskussionsabenden aufgreifen und weiterentwickeln.

Dieter Andre ließ die Diskussion nach einer kurzen persönlichen Vorstellung der Teilnehmer und ihrer Erwartungen frei laufen und drängte sie in keine bestimmte Richtung: Gerade das machte den besonderen Reiz des Abends aus. Nur zu Beginn warf er einige Stichworte bzw. Denkanstöße in die Runde: sich noch besser vernetzen, durch Meinungsaustausch mit und von anderen lernen, „Input für neue Denkweisen erhalten“, den eigenen Standpunkt immer wieder überprüfen und sich so weiterentwickeln. Ansätze hierfür seien derzeit in allen Bereichen zu erkennen. Als Beispiel nannte der stellvertretende PW-Vorsitzende die Reaktorkatastrophe von Fukushima: Sie zeige, wie schnell sich ein Wandel vollziehen könne, der kurz zuvor noch für unmöglich gehalten worden wäre. Und wie eine Regierung (die deutsche), die voll hinter der Kernkraft gestanden sei, nun plötzlich den Ausstieg propagiere.

ProWirtschaft habe es sich zur Aufgabe gemacht, „den Nachhaltigkeitsgedanken herunterzubrechen in unser Netzwerk“. Mehrfach und gleich zu Beginn von Theo Hirschberger wurde darauf hingewiesen, dass es auch in der Vergangenheit in Pfaffenhofen schon gut gemeinte Ansätze für eine Vernetzung und eine Zusammenarbeit im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung gegeben habe – beim Stadtmarketing wie auch in diversen Zusammenschlüssen von Gewerbetreibenden und Unternehmern. Doch nichts davon habe nachhaltig gewirkt, vielmehr seien alle Aktivitäten wieder eingeschlafen. Theo Hirschberger warf deshalb die Frage auf: „Wie wird die Sache jetzt angegangen, dass sie auch dauerhaft etwas bringt?“

Nicht immer nur die Dollarzeichen in den Augen haben

Der Schlüssel scheint, wie sich in der Diskussion herauskristallisierte, in der Erwartungshaltung und Denkweise zu liegen. Petra Zauner gab die erste Antwort auf Hirschbergers – wie sie betonte berechtigte – Frage. Sie mahnte einen Perspektivenwechsel an: Es gelte, Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gemeinschaft zu entwickeln und die Kommunikation ohne konkrete Zielsetzung und Erwartungen zu führen. „Und ohne dass man immer gleich den eigenen Vorteil sieht“, fügte Karl-Heinz Tarantik hinzu. Die Anwesenden waren sich einig, dass die bisherigen Versuche letztlich daran gescheitert seien, dass stets monetäre Absichten damit verbunden gewesen seien. Müllerbräu-Wirt Bernd Weinhart mahnte, es dürfe keine Gewinner-Verlierer-Situation entstehen. Und auch Andreas Pöhlmann forderte, nicht immer nur „die Dollarzeichen in den Augen zu haben“, sondern über das Geschäftliche hinauszudenken. ProWirtschaft biete die Plattform dafür.

PW-Vorsitzender Franz Böhm erklärte: „Das Wertvollste, was man sich gegenseitig schenken kann, ist die Zeit“. Er zeigte sich froh, „den früheren Aktionismus“, der rein auf Profit abgezielt habe, mit der Neuausrichtung von ProWirtschaft ad acta gelegt zu haben. Der eine habe in der Vergangenheit vielleicht davon profitiert und der andere nicht. Wenn aber nicht alle den gleichen Nutzen hätten und jeder nur den unmittelbaren Profit sehe, breche ein solches Konstrukt wieder zusammen. Zu erwarten, „dass morgen fünf Leute mehr ins Geschäft kommen“, ist für den ProWirtschaft-Chef der falsche Ansatz. Und er verdeutlichte seine Worte auch mit einem konkreten Beispiel. Erst kürzlich habe er einem jungen Mann bei einem anderen PW-Mitglied eine Arbeitsstelle vermitteln können – nicht aus Profitdenken, „sondern weil ich weiß, dass so etwas irgendwann zurückkommt“. Und Karl-Heinz Tarantik zeigte sich überzeugt, dass mit der Bewusstseinsänderung sich auch wirtschaftliche Vorteile auf Dauer ganz von selbst einstellen werden.

Wunsch nach Netzwerken Folge der Computerisierung

Dieter Andre forderte alle an einer nachhaltigen Entwicklung Interessierten dazu auf, sich selbst zu engagieren statt nur von anderen Aktionen zu erwarten. An die Bereitschaft, etwas in das Netzwerk einzubringen, appellierte auch Marianne Voit. In Anlehnung an den Händeler-Vortrag bezeichnete sie den immer stärker werdenden Wunsch nach Netzwerken als „Folge der Computerisierung“. Jede Not wecke bei en Menschen auch Sehnsucht, hier speziell danach, sich persönlich wieder mehr zu vernetzen. Für ProWirtschaft sind Netzwerkbildung und Förderung der nachhaltigen Entwicklung die beiden großen Anliegen, wobei Marianne Voit in der Diskussion die Frage aufwarf, was denn jeder Einzelne eigentlich unter Nachhaltigkeit versteht – ein Begriff, der heute inflationär gebraucht werde (wie Petra Zauner anmerkte) und für den es unterschiedliche Definitionen gibt.

Die erste lieferte Theo Hirschberger: Nachhaltig sei, seine Entscheidungen nach den drei Schlüsselkriterien wirtschaftlich, ökologisch und sozial zu überprüfen. Dieter Andre merkte an, meist werde beim Thema Nachhaltigkeit der Umweltschutz in den Vordergrund gestellt, doch auch die beiden anderen Aspekte hätten größte Bedeutung. Vor allem gelte es, die persönliche Haltung zu überprüfen; das habe seinen eigenen Geschäftsgang sehr positiv beeinflusst. Weiter müsse man sich klar werden, dass sich das Umsatzkarussell nicht immer schneller drehen könne. Vielmehr müsse man lernen, auch mit einem geringeren Umsatz gut zu wirtschaften. Und nicht zuletzt der soziale Aspekt: Bin ich zufrieden, geht es mir und auch meinen Mitarbeitern gut? „Hier muss sich in den Köpfen und in der Erziehung der Unternehmer von morgen etwas ändern“, forderte Ralf Ebertshäuser und Franz Böhm erklärte: „Nachhaltig ist, wenn man Menschen zusammenbringt und in die Zukunft schaut, wenn man einen Tick weiter denkt – und das nicht nur des Geldes wegen“. Das von ihm herausgegebene Landkreismagazin Quer 19 beispielsweise sei ohne jegliches wirtschaftliches Interesse aus dem Netzwerk heraus entstanden. Und aus dem Wunsch, eine Region und ihre Menschen über das aktuelle Tagesgeschehen hinaus zu zeigen.

Mit Nachhaltigkeits-Diskussion richtigen Nerv getroffen

Blieb noch die von Friedrich Küfner aufgeworfene Frage, was in der Ausgangsthese für den ersten Diskussionsabend eigentlich mit „Region“ gemeint war. Bernd Weinhart meinte, hier könne zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Festlegung getroffen werden und es müsse sich alles erst noch entwickeln – je nachdem welche Kreise ProWirtschaft mit seinem Anliegen zieht. Eine Definition, die alle Anwesenden unterschreiben konnten. Aus kleinen Anfängen könne sich hier eine ganze Menge entwickeln, glaubt auch Gerhard Kellermann. Vorausgesetzt, man gesteht sich auch zu, Fehler zu machen und daraus zu lernen, wie Bernd Weinhart ergänzte. Seit 1992 in Pfaffenhofen, habe er einige Wirtschafts- und Gewerbevereinigungen kommen und gehen sehen, die unter anderem auch am übertriebenen Perfektionismus gescheitert seien.

Am Schluss machte Bernd Weinhart noch einen interessanten Vorschlag: Im Interesse einer noch intensiveren Kommunikation solle auf der neuen Homepage von ProWirtschaft eine Art Blog eingerichtet werden. Mit dem Ziel, anderen Mitgliedern Probleme mitzuteilen und einen Erfahrungs- und Meinungsaustausch dazu anzustoßen. Eine Anregung, die genau auf der Linie für den nächsten Diskussionsabend am 22. September liegt.  Die These dafür stand am Ende des Abends eindeutig fest: „Kommunikation ist die Grundlage der Zusammenarbeit.“ Nach dem offiziellen Ende – die Vorgabe von 90 Minuten wurde exakt eingehalten – ging die Diskussion in kleinen Grüppchen noch angeregt weiter und alle Teilnehmer versicherten, beim nächsten Mal wieder mit dabei zu sein. Ein Zeichen dafür, dass ProWirtschaft mit seinem Anliegen den richtigen Nerv getroffen hat …

Andre wirbt für Mitgliedschaft bei ProWirtschaft

Ein wenig Werbung in eigener Sache für ProWirtschaft betrieb noch der stellvertretende Vorsitzende Dieter Andre im Laufe des Abends. Er warb für eine Mitgliedschaft in dem Netzwerk, das heuer erstmals dreistellig geworden ist und in dem aktuell 103 Vertreter der heimischen Wirtschaft zusammengeschlossen sind. Der moderate Jahresbeitrag von 120 Euro (zehn Euro im Monat) sollte dem nicht entgegenstehen, meinte Dieter Andre. Nur über die Beiträge ist ProWirtschaft in der Lage, seine Aktivitäten zu finanzieren und Spitzenreferenten wie Erik Händeler zu verpflichten, die nun einmal nicht für ein Butterbrot zu haben sind.

Der Aufruf von Dieter Andre hat noch einen anderen Hintergrund: Gerade in den letzten Wochen haben sich aufgrund der verstärkten Aktivitäten von ProWirtschaft viele neue Interessenten für den Newsletter eingetragen. Rund 230 Adressaten hat er mittlerweile. Das Interesse ist also hoch, die Mitgliederzahl hinkt im Vergleich dazu aber noch etwas weit hinterher. Und auch die Homepage von ProWirtschaft wird mittlerweile sehr rege besucht und ständig mit neuen Inhalten aktualisiert. Auf der Startseite können sich an einer Mitgliedschaft Interessierte anmelden.