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Ökonomisch erfolgreich und zum Vorteil von Natur und Umwelt
Dienstag, den 05. Juli 2011 um 16:27 Uhr
ProWirtschaft auf Musterbiobetrieb Gut Eichethof zu Besuch – Bereits seit über 20 Jahren wird Nachhaltigkeit praktiziert

Pfaffenhofen / Hohenkammer (mh) Nachhaltigkeit, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat: Rund 30 Teilnehmer erhielten beim 3. Unternehmertreff 2011 von ProWirtschaft Pfaffenhofen eine exklusive Führung auf Gut Eichethof, das als Teil der Schloss Hohenkammer GmbH in großem Stil ökologische Landwirtschaft betreibt; nicht nur zum Vorteil von Natur und Umwelt, sondern auch ökonomisch mit beachtlichem Erfolg. Das Prinzip der Nachhaltigkeit – ein großes Gebot der Zukunft und eines der zentralen Anliegen von ProWirtschaft – erfüllt der Vorzeigebetrieb damit in doppeltem Sinne.

Aufmerksam lauschten die Vertreter der heimischen Wirtschaft den Ausführungen des Geschäftsführers der Schloss Hohenkammer GmbH, Leo Hermann (links). Fotos: M. Hailer

Leo Hermann, Geschäftsführer der Schloss Hohenkammer GmbH, persönlich übernahm die Führung für die Vertreter der heimischen Wirtschaft. Sie begann mit einer kurzen Vorstellung von Gut Eichethof. Die ehemalige BayWa-Versuchsanstalt für Tierernährung wurde bereits vor über 20 Jahren in einen Biobetrieb umgewandelt und gehört seit 1992 dem Naturland-Verband an. Das Bundeslandwirtschaftsministerium nahm das Gut 2002 als Demonstrationsbetrieb in die „Ökoland Offensive“ auf. Seit 2003 ist die Münchener Rück Versicherungs AG Besitzer des Mustergutes und aller anderen Einrichtungen der Schloss Hohenkammer GmbH (Wasserschloss, Seminarhotel, Tagungsräume, Gastronomie).

Auf rund 300 Hektar wird heute ökologischer Landbau in Drei-Felder-Wirtschaft betrieben, außerdem gehören weitere 500 Hektar Forstfläche zum Gutsbetrieb. Ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche ist Brache, auf dem zweiten Drittel wird Getreide angebaut, das eine hohe Stickstoffversorgung benötigt und auf dem letzten Drittel Getreide mit niedriger Stickstoffversorgung. Das „Kerngeschäft“ von Gut Eichethof ist die Erzeugung von Saatgut und Getreide – nicht als Massenware, sondern nach höchsten Qualitätskriterien.

Eine ganz wichtige Funktion erfüllt aber auch die Brache, wie Leo Hermann erläuterte. Das darauf angepflanzte Klee-Lupinen-Gras-Gemisch liefert nämlich das „Futter“ für die gutseigene Biogasanlage. Mit dem gewonnenen Methangas werden der Eichethof und das gesamte Schlossgelände mit allen seinen Einrichtungen und einer Nutzfläche von insgesamt knapp 25.000 Quadratmetern mit Wärme versorgt. Der Restbedarf im Winter wird über eine eigene Hackschnitzelheizung gedeckt. Die Biogasanlage erzeugt außerdem Strom, der gewinnbringend ins öffentliche Netz eingespeist wird. Das macht unter dem Strich eine Rentierlichkeit von 8,5 Jahren für die Anlage, wie Geschäftsführer Hermann vorrechnete – ein absoluter Spitzenwert.

Selbstversorger ist die Schloss Hohenkammer GmbH für ihre Gastronomie auch bei einer Reihe von Garten- und Feldfrüchten. Bei rund 27.000 Übernachtungen im Jahr war es laut Leo Hermann nahe liegend, deren Anbau zu forcieren. So werden unter anderem viele verschiedene Sorten Tomaten, Kartoffeln und Rüben sowie die in den Küchen auf dem Schlossareal verarbeiteten Kräuter erzeugt. Alles ausschließlich für den Eigenbedarf und nicht für den Verkauf, an den auch künftig nicht gedacht ist. Dennoch gäbe es durchaus Potenzial für eine Erhöhung der Produktion, wie Leo Hermann durchblicken ließ: „Wenn man bedenkt, dass die Münchener Rück eine Kantine für 4000 Leute hat …“ Als weitere „Nebenprodukte“ werden zum Beispiel noch Biozuckerrüben und Steirische Ölkürbisse (für ein hochwertiges Speiseöl) angebaut.

Der Teilversorgung des Restaurants der Schloss Hohenkammer GmbH mit Fleisch dient auch die Tierhaltung auf dem Eichethof, der mittlerweile über eine stattliche Herde von über 30 Black-Angus-Rindern verfügt. Einige Kälber sind aber bereits im „Anmarsch“, so dass die Zahl bald auf über 40 ansteigen wird. Zum Gut gehören auch drei kleine Jagdreviere, in denen gut 20 Rehe im Jahr geschossen werden. Weiter wird eine spezielle „wetterfeste“ Putenrasse, die Bronzepute, auf dem Eichethof gehalten, ausnahmsweise aber nicht nur für den Eigenbedarf. Die Puten „wandern“ auch in Bioläden oder in die Babynahrungs-Herstellung.

Auf dem Eichethof wird neben einer Rinderherde auch eine spezielle "wetterfeste" Putenrasse gezüchtet, die Bronzepute, wie Leo Hermann (im Bild) seinen Gästen erläuterte.

Die hochkarätige Führung endete hochprozentig: in der Destillerie des Eichethofes. Geschäftsführer Leo Hermann musste auch hier – wie schon zuvor – noch einmal zahlreiche Fragen der interessierten Gäste beantworten. Was er mit besonderer Freude tat: Schließlich ist die Schnapsbrennerei ein wenig eine Passion von ihm. In der kleinen, aber feinen Brennanlage werden 22 verschiedene Brände hergestellt: von den Klassikern Williamschristbirne (hier die besonders charaktervolle rote Varietät) und Zwetschge (einmal normal und einmal aus dem Barrique) über Marille und schwarze Johannisbeere bis hin zu ausgefallenen Bränden wie zum Beispiel aus Vogelbeeren.

  Die Gesamtproduktion beläuft sich auf gut 2000 Flaschen im Jahr, in deren Genuss bislang exklusiv die Gäste in den Einrichtungen der Schloss Hohenkammer GmbH kommen. In Einklang mit der Philosophie des Eichethofes werden natürlich auch die Destillate in Spitzenqualität hergestellt. „Das beste Obst, das auf dem Markt ist“, ist Leo Hermann für deren Produktion gerade gut genug. Ein Teil der „Rohstoffe“ wird selbst erzeugt, die übrigen Früchte kommen aus den besten Anbaugebieten in ganz Europa. Der Aufwand und Ehrgeiz, den Leo Hermann investiert, haben sich bereits vielfach ausgezahlt: Die Brände aus Hohenkammer sind mittlerweile vielfach und hoch prämiert. Und auch die Gäste von ProWirtschaft waren von den Kostproben überaus angetan …

Die Veranstaltung endete mit einer Einladung von Leo Hermann an die Vertreter der heimischen Wirtschaft zu einem zweiten Besuch. Dann werde er sie durch Schloss und die umliegenden Gebäude und Einrichtungen führen, versprach er.